Smetana - Die Moldau - Stationen - Spirituelle Werte

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Smetana - Die Moldau - Stationen

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Smetana: Die Moldau (2)Smetana - die Moldau in Prag

Nun zur Geschichte, zu den einzelnen Stationen:

Gespannt, fast atemlos hören wir im Konzert dem Beginn der solistischen 2. Flöte zu. Ganz leise, aber ungemein quirlig, trotzdem fast zerbrechlich fein, entspringt der erste Quellfluss der Moldau im Böhmerwald. Die ersten Wellen werden ständig von leise zupfenden Violinen, also den herabfallenden oder springenden Wassertropfen, unterbrochen, gehen aber bald mit dem Hinzugesellen der 1. Flöte in eine konstante Wellenbewegung über. Wenig später lassen die Klarinetten, auch noch recht leise, den zweiten Quellfluss der Moldau entspringen. Beide noch kleinen Bäche sammeln immer mehr Wasser, werden größer und eilen mit ausgesprochen schneller Bewegung und fallenden Wellen, die ja auch dem Geschehen in der Natur beim starken Gefälle des Quellgebietes entsprechen, ihrer Vereinigung und damit der Geburt der Moldau entgegen.


Quellfluesse der Moldau

Der zweite Quellfluss gesellt sich in den Klarinetten (CL) zum ersten der Flöten.
An- und Abschwellen der Lautstärke und reizvolle, farbige Gegenbewegungen unterstreichen den quirligen Charakter.


Hier gibt Smetana nun der Moldau ihre eigene, unverwechselbare Erkennungsmelodie, der Reinheit und Zartheit des immer noch kleinen Flusses entsprechend in Moll. Eine schlichte, aber schöne Melodie, die am Anfang nur der Molltonleiter nach oben und dann wieder nach unten folgt, also auch wieder einen Wellenteil, den Berg der Welle, bildet!

Nun reiht sich Erlebnis an Erlebnis, und bei fast jeder Station wird das Darauf-zu-Fließen und das Entfernen vom Ort des Geschehens durch mehr oder weniger auf- und abschwellende Lautstärke der Musik eindrucksvoll klanglich umgesetzt!

Das erste „aufrüttelnde“ Erlebnis des noch immer „zarten, empfindsamen“ Flusses ist eine Waldjagd, getragen von kraftvollen Jagdsignalen der Hörner des Orchesters, wie überall stets unterlegt mit den rastlosen, schnellen Wellen des Flusses. Es bleibt also immer der Fluss, der das Ganze „erlebt“!

Als nächstes kommt eine Bauernhochzeit mit einem fröhlichen Rundtanz. Smetanas Einfallsreichtum „stört“ den rhythmisch klaren Tanz nicht mit unterlegten Fließbewegungen, nein, er komponiert ihn einfach so, dass dieser trotz der gewissen Derbheit eines Bauerntanzes einen ganz starken Wellencharakter aufweist. Der Bezug zur Moldau geht also nicht verloren.



Smetana - Moldau - Waldjagd
Auch das Auf und Ab des Jagdrufes der Hörner in der „Jagd-Szene“ hat Wellenform.



Der Tanz verklingt in der Ferne, die Moldau fließt weiter, Dämmerung bricht herein. In der Stille der Nacht, im Mondschein liegend und diesmal mit langsamen, ganz zarten Wellen unterlegt, tanzen die Nymphen einen Reigen; ein bezaubernder Teil! Dabei lässt sich mit einigem Recht vermuten, dass der erste Teil des Nymphenreigens im offenen Wiesenbereich, der zweite im Wald stattfindet - denn es kommen leise, aber eindrucksvolle Posaunenakkorde hinzu, die die Majestät, das Ehrfurchtgebietende des dunklen Waldes symbolisieren könnten.

Nachdem nochmals das Moldauthema erklingt, geht es anschließend zur dramatischsten Stelle des Werkes, den St. Johann-Stromschnellen, in denen der Fluss regelrecht eine „persönliche Krise“ erlebt! Mit Macht steigert sich das Orchester zur größten Lautstärke und donnert dem Zuhörer Motivteile oder -fetzen des Moldauthemas entgegen. Eine angstvoll „schreiende“ Piccoloflöte in höchster Lage und extrem schnelle, sich überschlagende Wellenbewegungen entfesseln eine spannende und hohe Dramatik.

Nun fließt die Moldau, zum breiten Fluss geworden und entsprechend mit dem ganzen Sinfonieorchester vollklingend gespielt, dahin. Sie strömt an Prag vorbei, und hier verwendet Smetana sehr geschickt das völlig anders geartete Motiv des 1. Stückes im sinfonischen Zyklus: „Vyseherad“, die „hohe Burg“ von Prag.



Smetana - Moldau - Thema
Das Moldau-Thema spielen ganz oben die 1. Geigen, während die restlichen Streicher klar erkennbar
den Fluss im wahrsten Wortsinn „im Fluss halten“, durch schnelle Wellenbewegungen.




Bald ist der Weg der Moldau zu Ende: Sie mündet in die Elbe, wird immer weniger Moldau. Die Klang-Wellen werden leiser, verklingen allmählich, und fast wehmütig nimmt man Abschied vom liebgewordenen Fluss, der uns mittlerweile richtig ans Herz gewachsen ist. Zwei Abschlussakkorde, und eine wunderschöne, anrührende und eindrucksvolle Flussreise hat ihr Ende gefunden. -

Auch für Smetana muss das Komponieren der „Moldau“ ein Glückserlebnis gewesen sein. Vielleicht empfand er den Kontakt des inspirierten Künstlers zu höheren Ebenen, das Empfangen der Musik aus höherer Hand, denn er schrieb: „Wenn mich jemand gefragt hätte, warum ich dies oder jenes so ausgedrückt habe und nicht anders, so könnte ich ihm darauf keine Antwort geben.“ Begeistert schrieb er noch: „Nach nur 19 Tagen vollendet!“

Und doch … auf der letzten Partiturseite findet sich auch leider die Kehrseite der Medaille: „Ich bin völlig taub!“


 
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