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Theodizée

SINNFRAGEN > Schicksal

Naturkatastrophen

Theodizée -

eine weltanschauliche Kernfrage


Als ein Beispiel unter vielen hat das Erdbeben von Haiti im Jahr 2010 230.000 Menschen den Tod gebracht. Wo bleibt Gott bei diesem Schicksal?

Seit vielen Jahrhunderten rätselt die Menschheit über die elementare Frage: „Wenn es einen liebevollen, gütigen und gleichzeitig allmächtigen Schöpfer gibt, warum lässt er dann das ganze Elend und Leid der Welt zu? Vor allen Dingen dann, wenn es offensichtlich Unschuldige trifft?“ Genau im 300. Jahr der Veröffentlichung von Leibniz’ „Theodizée“, die sich mit exakt dieser Frage befasst, hat uns das verheerende Erdbeben im Januar 2010 auf Haiti wieder massiv mit dieser – für die allermeisten Menschen ungeklärten – Frage konfrontiert!

Für Spötter ist es ein Anlass, die Existenz Gottes oder zumindest seine Vollkommenheit abzustreiten, denn große Katastrophen wie diese stellen einen scheinbar unwiderlegbaren Beweis dar, dass ein eventuell existierender Schöpfer die Lage entweder nicht im Griff hat oder aber über erhebliche „charakterliche Mängel“ wie Rachsucht verfügt oder mit derartigen Verheerungen seine Überlegenheit kundtun will.

Gläubige Menschen, die sich ehrlich bemühen, an Gott und seiner Weisheit festzuhalten, zu denen auch immer wieder Kirchenvertreter gehören, die doch eigentlich die Antworten zu geben in der Lage sein müssten, stehen vor einem Rätsel. Sie können ihren Gott nicht verstehen und trösten sich entweder damit, dass Gottes Wege und Ratschlüsse unerforschlich seien, oder sie suchen verzweifelt nach einer Schuld, die diese „Strafe Gottes“ herbeigeführt hat. Doch gehört zu einem wirklich innigen Gottesbezug, der sich entwickeln soll und der auch wirklich belastbar ist, nicht in erster Linie Vertrauen? Wie kann sich aber Vertrauen ohne Verständnis, ohne ein Nachvollziehenkönnen bilden? Das ist uns weder anderen Menschen noch Gott gegenüber möglich!

Gehen wir demnach davon aus, dass Gott verstanden sein will! Also müssen wir uns ehrlich mühen, auch in Extremsituationen wie angesichts dieses schweren Erdbebens mit unvorstellbar vielen Toten, eine Antwort darauf zu finden, wie ein solches Ereignis in den Gesetzen des Schöpfers seinen Platz haben kann. Es gilt bei diesem Erkenntnisprozess meiner Meinung nach zwei Fragen zu berücksichtigen:

1. Handelt es sich um Einzel- oder Massenschicksale?
2. Geht das leidvolle Erleben auf menschliches Tun zurück oder handelt es sich um Ereignisse, die sich unabhängig davon vollziehen?

Ein großes Gesetz durchzieht den gesamten Kosmos: das Gesetz der Wechselwirkung, also das Gesetz von Ursache-Wirkung-Rückwirkung, das Jesus in die Worte fasste: „Was der Mensch säet, das wird er ernten.“ „Er wird“ bedeutet: „er muss“, ob er will oder nicht. Durch dieses Gesetz erklären sich die allermeisten Schicksalsauswirkungen im Guten wie im Schlechten ohne weiteres dann, wenn man bereit ist, die Tatsache mehrerer Erdenleben zu akzeptieren: Was der Mensch jetzt als Schicksal erfährt, kann eine Rückwirkung aus dem Verhalten in früheren Erdenleben sein. Gehen wir nur von einem einzigen, also dem jetzigen Erdenleben aus, so verlieren wir den Schlüssel zum Verständnis göttlicher Gerechtigkeit!

Auf dieser Grundlage lassen sich die Einzelschicksale und auch die von Menschengruppen erklären, die eine Gleichart haben: Sie erleben schlicht und einfach die Folgen ihres Handelns! Auch können wir nicht Gott für das verantwortlich machen, was direkt durch Menschen zur Ausführung kommt. Können wir tatsächlich erwarten, dass der Schöpfer wie ein Super-Polizist überall anwesend ist, um an allen Stellen, wo etwas falsch läuft, regulierend direkt einzugreifen? In diesem Fall wäre er alles andere als vollkommen – und wir Menschen wären eines großen Gottgeschenkes beraubt – unserer Willensfreiheit.

In den meisten Fällen haben wir zu den Dingen, die uns durch andere Menschen widerfahren, irgendeinen Bezug, auch wenn dieser oft nicht so leicht und klar erkennbar ist. Wir selbst haben die Saat für das gelegt, was wir ernten! Doch nun zu den Massenschicksalen: Haben beispielsweise alle Haitianer ein so schweres Karma auf sich geladen, dass sie derart getroffen werden mußten? Nun, es würde schon recht zynisch klingen, derartiges zu behaupten, und es wäre auch eine unzulässige Gleichmacherei, die dem einzelnen betroffenen Menschen sicher nicht gerecht wird.

Eine Schuld jedoch trägt im Prinzip die gesamte Erdenmenschheit, also wir alle: Wir haben uns vom wirklichen Leben – und damit auch von Gott – so weit entfernt, daß wir Warnungen vor Umwälzungen, die sich in der Entwicklung der Erde naturgesetzmäßig vollziehen müssen, nicht mehr zugänglich sind! Ähnlich wie bei dem schweren Flugzeugunglück von Überlingen vor mehreren Jahren der verantwortliche Lotse nicht wachsam war und von anderen Flugleitstellen, die das Unglück kommen sahen und warnen wollten, telefonisch nicht erreicht werden konnte, so haben wir im Großen auch unseren „Draht nach oben“ weitgehend abgeschaltet!

Trotzdem kommen immer noch Warnungen, vor allem von jenen Mitgeschöpfen, die uns die besten Freunde sein könnten: den Tieren! Doch wir nehmen sie nicht wahr! So schlugen beispielsweise vor dem verheerenden Tsunami im Jahr 2004 viele eingeschlossene Tiere in höchster Panik Alarm, und die Wildtiere verzogen sich praktisch ausnahmslos ins Landesinnere. Die Strände waren nach der Flutwelle übersät mit Leichen, doch weit und breit war kein Tierkadaver zu finden. Auch Ureinwohnern auf einer entlegenen Insel ist nichts passiert; sie zogen sich rechtzeitig auf den höchsten Punkt des Eilandes zurück.

So gibt es auch aus Haiti Berichte von auffälligem Tierverhalten. Aus einem Bericht der Journalistin Chantal Guy ging beispielsweise hervor, „dass in Port-au-Prince alle Hähne verrückt spielen und zu jeder Tageszeit krähen“ würden. Kurze Zeit später fügte sie laut „Lübecker Nachrichten“ hinzu, dass auch „die Hunde heulen, daß es einem das Herz zerreißt“. Zwei Stunden später bebte die Erde.

Wie wertvoll es wäre, auf die Warnungen der Tiere zu hören, zeigt ein Ereignis in China. Anfang Februar 1975 erwachten in der Stadt Haicheng die Schlangen vorzeitig aus dem Winterschlaf, um einem Beben zu entfliehen, das die Stadt wenige Tage später in Trümmer legte. Seismologen deuteten das Verhalten der Tiere richtig, unternahmen Messungen und ließen die Stadt räumen.

Weniger wachsam war man in Südwestchina im Mai 2008. Obwohl eine riesige Krötenwanderung einsetzte, so daß die Straßen regelrecht überflutet waren, leitete man die Warnung nicht weiter. Bei dem folgenden Beben starben 50.000 Menschen! -

Die Auswirkungen der vollkommenen Schöpfungsgesetze bringen es mit sich, daß alles ständig in Bewegung ist. Bewegung ist ein Ausdruck des Lebens. Auch die Erde selbst macht darin keine Ausnahme. So schwimmen die Kontinentalplatten regelrecht auf dem Erdmantel und driften in bestimmte Richtungen. Deshalb wird es auch in Zukunft immer wieder zu Erdbeben kommen. Doch alle diese großen Ereignisse der Natur werden von wesenhaften Kräften vorbereitet, zu deren Wirken wir – wenigstens über einen bewussten, wachsamen Kontakt zur Tierwelt – Zugang finden sollten. Damit könnten wir uns in das Schöpfungsgeschehen besser einfügen und brauchten die große Frage „Warum?“ in solchen Fällen nicht mehr zu stellen.

Von der heutigen Grundlage aus ist das freilich noch ein weiter Weg, den wir allerdings im Großen wie im Kleinen allen Betroffenen dadurch erleichtern können, indem wir unsere Nächstenliebe noch stärker entwickeln und überall nach Kräften helfen, wo es möglich ist, Leiden zu lindern und schwierige Lebensumstände unserer Mitmenschen zu verbessern. Denn schließlich wären auch wir sehr froh, im umgekehrten Fall nicht alleingelassen zu werden.



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