6. Jungfrau - Spirituelle Werte

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6. Jungfrau

SINNFRAGEN > Astrologie

Das sechste Lebensprinzip - Jungfrau

Anpassung und Einfügung

Die dem Zeichen Jungfrau zugeordneten Eigenschaften bestehen im günstigen Sinn in einer realitätsnahen Vernunft, Anpassungsfähigkeit, Pflichtbewusstsein, Reinlichkeit, Gesundheitsbewusstsein, Sorgfalt, Beherrschtheit und Ordnungsliebe, auf der Schattenseite aber in Misstrauen, Kritiklust, pingeligem und besserwisserischem Auftreten, Ordnungswut, Sauberkeitsfimmel, Prüderie und großer Risikoscheu.

Beim Jungfrauprinzip tritt der Begriff „dienen“ stärker in den Vordergrund als bei anderen Zeichen. Eine aufbauend tätige Jungfrau ist die Freude aller Arbeitgeber, die mit Organisationstalent und Liebe zum Detail „den Laden am Laufen hält“ und damit die ganze Organisationsstruktur stützt. Der kreative Aspekt tritt dagegen meist nicht so stark in den Vordergrund, es sei denn, andere Aspekte sprechen dafür.


Der Sinn des Prinzips: Einfügung

Nehmen wir einen Zeitgenossen an, der Musikliebhaber und „Nachteule“ ist und in einem etwas hellhörigen Mehrparteienhaus wohnt. Er beschließt kurz nach Mitternacht, sowohl seinen Stier- als auch seinen Löweanteil zu aktivieren und den Tag noch mit einem guten Glas Wein (Stier; Löwe) und einer Brahms-Sinfonie in Konzertlautstärke ausklingen zu lassen (Löwe). Wozu hat er sich schließlich die schönen neuen Lautsprecherboxen gekauft (Stier)!

Wir ahnen, was passiert: Seine Mitbewohner liegen längst in den Federn, werden aus dem Schlaf gerissen und sind von der schönen Musik nicht ganz so begeistert wie ihr nächtlicher Verursacher! –

Wir sehen also, daß das notwendige Löweprinzip, unser Leben ganz nach unseren Vorstellungen zu führen, schnell mit den Lebensäußerungen und Bedürfnissen der Mitmenschen kollidieren kann und so zu einem ziemlichen Chaos und Unfrieden führen würde. Es muss also sofort ein regulierendes Prinzip anschließen: das der notwendigen Anpassung, um den sozialen Frieden und die Ordnung aufrechtzuerhalten.

Dieses Prinzip der Anpassung hat eine weitaus größere Tragweite, als es auf den ersten Blick erscheint! Es geht um nichts weniger als um das Einfügen in kleine und große Strukturen, Gesetzmäßigkeiten und Ordnungen!

Im Kleinen können wir beispielhaft wieder unseren nächtlichen Musikliebhaber heranziehen: Er setzt sich einfach einen guten Kopfhörer auf, und die Welt ist wieder in Ordnung. Wollen wir mit der Bahn fahren, so bleibt nichts anderes übrig, als daß sich alle Beteiligten an die vorgegebenen Fahrpläne halten. Geschieht das nicht, drohen Ärger und Probleme. Im noch größeren Bereich gilt das für die gesamte Sozial- und Gesetzesstruktur aller Staaten: Wollen sie nicht in Anarchie versinken, so sind gerechte und klar definierte allgemeingültige Regeln, in die sich alle einfügen, unbedingt nötig.

Damit sind wir an einem Punkt angekommen, der ausgesprochen wichtig ist: Das Jungfrauprinzip gilt natürlich auch für den größten aller denkbaren Rahmen, für den gesamten Kosmos! Auch hier wirken unveränderliche, klare Gesetze, denen wir uns anpassen müssen, wenn wir Glück, Frieden und Wohlergehen haben wollen.


Die große Eigenwilligkeit

An dieser Stelle hat nun unter den Menschen eine eigenartige Spaltung zwischen den materiellen und den nicht-materiellen Bereichen eingesetzt, die wiederum mit der Verstandesherrschaft zu tun hat! In den irdisch direkt sichtbaren Bereichen wird das Jungfrauprinzip meist klaglos und erfolgreich angewendet, nicht zuletzt in den Naturwissenschaften und der Technik. Denn Anpassung ist es auch, an Autos Räder und an Flugzeuge Flügel zu bauen, damit sie funktionieren, die Statik von Gebäuden und Brücken zu berechnen, Einnahmen und Ausgaben zu bilanzieren, die Kräfte der Natur zu nutzen und so weiter. Seit Bestehen der Menschheit wissen wir auch, dass jede Ernte immer nur das Ergebnis einer entsprechenden Aussaat ergibt. Wir kennen demnach auch das Gesetz von Ursache, Wirkung und Rückwirkung.

Natürlich stünde es uns frei, den Garten verwildern zu lassen, im November statt im März aussäen und trotzdem auf eine gute Ernte zu hoffen, weil wir gerade Lust darauf haben. Auch im Straßenverkehr könnten wir rote Ampeln überfahren, auf der Autobahn die Gegenrichtung und in England die rechte Straßenseite benutzen, doch kein vernünftiger Mensch tut das. Wir könnten die Ordnung in Bibliotheken und Datenbanken über den Haufen werfen, doch das geschieht natürlich nicht!

Seltsamerweise passiert aber genau das, sobald der Bereich der Materie verlassen wird. Hier scheinen wir Menschen es weitgehend verlernt zu haben, dass dieselben Gesetze auch im Übergeordneten gelten. Wir bekämpfen Gewalt mit Gewalt, obwohl seit Jahrtausenden klar ist, dass das nicht funktioniert. Wir erwarten Frieden, Harmonie und Wohlergehen, obwohl wir es selbst oft nicht aussenden. Wir misshandeln die Natur und wundern uns über Naturkatastrophen. Wir verkomplizieren uns das Leben immer mehr und hätten es trotzdem gerne einfach und überschaubar. Wir pflegen starke Vorbehalte und Vorurteile gegenüber unseren Mitmenschen und möchten doch gerne von ihnen geliebt werden und von ihnen geholfen bekommen und so weiter.

Im Grunde scheint gerade das Jungfrauprinzip des Sicheinfügens in die sinnvolle kosmische Ordnung noch nicht ausreichend nachvollzogen zu sein, denn sonst müsste uns klar sein, dass wir Glück und Wohlergehen nicht auf dem Leid der schwachen Menschen, der Tiere und der geschundenen Natur aufbauen können. Es geht einfach nicht, da es dem Gesetz der Wechselwirkung widerspricht!


Die verbogene Form: Scheinanpassung

Das Jungfrauprinzip kann aktiv durch eine Scheinanpassung umgangen werden, die in Wirklichkeit aber versucht, die für die anderen geltenden Spielregeln zu umgehen, um Ausnahmeregeln und Sonderrechte für sich persönlich zu erreichen. Da die Jungfrau, wie die Zwillinge, vom Planeten Merkur beherrscht wird, der auch für rege Verstandestätigkeit und -fähigkeiten steht, fehlt es selten an Rechtfertigungsargumenten, selbst für die anfechtbarsten Anschauungen.

Aus diesem Grund gibt es auch die vielen politischen Parteien, die versuchen, für einen möglichst großen oder einflussreichen Wählerkreis Privilegien herauszuholen. Diese begründen dann oft mit einseitigen Argumenten, warum es notwendig sei, zum Beispiel keine Ausländer mehr ins Land zu lassen, weshalb sich die Wirtschaft Umweltschutz nicht leisten kann, warum man Reiche keinesfalls stärker besteuern darf und mehr. Es wird auf dem Weg also die Grundlage, an die man sich anpassen soll, vom Sinnvollen ins Falsche verschoben, so dass sie den Eigenwünschen dient, während es in Wirklichkeit genau umgekehrt sein sollte!

Ein ähnlicher Weg ist es, sprichwörtlich „sein Mäntelchen in den Wind zu hängen“, sich chamäleonartig und aalglatt als Mitläufer den Personen anzuschließen, von denen man sich Vorteile erwartet, auch wenn deren Zielsetzungen durchaus moralisch verwerflich sein können.


Die gehemmte Form: blinde Fügsamkeit

Zu einem traurigen Leben verurteilt sich derjenige, der aus Mangel an Mut und Format in eine Überanpassung verfällt, es also jedem recht machen will, gleichgültig, was von ihm verlangt wird. Er widerspricht grundsätzlich nicht, wenn ihm daraus Nachteile entstehen könnten, und frisst den Groll regelrecht in sich hinein.

Dieser Typ Mensch kann sehr gefährlich werden, denn leider ist er zahlreich vertreten. Er ist es, durch den sich falsche Strukturen und auch Unrechtsregimes halten können, da er unterwürfig in blindem Gehorsam den Befehlen seiner Machthaber folgt.

Auch in demokratischeren Staaten kann unterschwelliger Groll radikale Gesinnungen und das Suchen nach Sündenböcken begünstigen, die meist aus (ausländischen) Minderheiten bestehen. In jedem Fall handelt es sich um Angriffe auf schwache oder unterdrückte Gruppen, durch die sich der Schein einer persönlichen Überlegenheit aufbauen läßt. Selbstverständlich stellt auch das eine beständige latente Gefahr dar.


Lösungsansatz: Rücksicht und Weitblick

Für viele Menschen stellt der Begriff der Anpassung ein Problem dar, da sie ihn innerlich mit Schwäche, Freiheitsberaubung und Zwang in Verbindung bringen. Das ist aber falsch, da es sich hier um eine pervertierte Form der Anpassung handelt.



Der ins Zeichen Jungfrau eintretende Aszendent (AC) mit dem herrschenden Planeten Merkur




In Wirklichkeit steht sie nicht im Widerspruch zu einem mutigen, strahlenden, engagierten und freiheitlichen Handeln, wenn dieses aufbauend ist und somit nicht auf Kosten der Mitmenschen geht. Es ist lediglich die Rücksichtnahme nötig, die man auch selbst für sich in Anspruch nehmen möchte und die für ein funktionierendes System notwendig ist, keinesfalls aber eine Unterwerfung.

Wie wir in der Technik sehen können, ist es ausschließlich die Anpassung an die vorhandenen Möglichkeiten, die es uns überhaupt möglich macht, unsere ganzen Errungenschaften bauen zu können. Genau das können wir eins zu eins auf unser sonstiges Leben und auf unser Miteinander übertragen!

Die fortgeschrittene Jungfrau ist genau dazu in der Lage. Sie überwindet die Trennung von materiellen und feineren Bereichen und begeht demnach nicht den verhängnisvollen Fehler, die Naturgesetze für alles Jenseitige außer acht zu lassen. Mit klugem Pragmatismus schaut sie weiter als die meisten anderen und kann so den für sie erreichbaren Rahmen voll ausschöpfen. Ihre Ratschläge werden wohldurchdacht und weiterhelfend, gleichzeitig aber auch griffig und praktisch umsetzbar sein.


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