1. Das Geld - Segen oder Fluch - Spirituelle Werte

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1. Das Geld - Segen oder Fluch

SOZIALES > Geldproblematik

1. Das Geld – Segen oder Fluch?

„Wetten, dass Geld doch glücklich macht!“

So lautete vor längerer Zeit der Werbespruch einer Sparkasse. So ging ich also an den Schalter, um dagegen zu wetten, und es war lustig, das verdutzte Gesicht der Angestellten zu sehen, für die es neu war, dass jemand einen Werbespruch einmal wörtlich nimmt.

Kaum eine Wette wäre leichter zu gewinnen, denn ist beispielsweise ein Reicher, bei dem gerade eine schwere Krankheit diagnostiziert wird, bei dem die Ehe kriselt, der wie besessen kaum noch etwas anderes im Sinn hat, als seinen Reichtum weiterhin zu vergrößern, der trotz seines „Vermögens“ eben nichts mehr „vermag“, sondern nur noch eine innere Leere empfindet, glücklich?

Sicher nicht! Doch zu diesem Personenkreis gehören viele! -


Das ambivalente Phänomen Geld

Ähnlich wie die Bedeutung und die Rolle des Fundaments bei der Beurteilung der Nutzungs- und Wohnqualität eines Hauses kaum Beachtung finden, so ist das auch bei unseren volkswirtschaftlichen Gebäuden, bezogen auf den Geld- und Währungsbereich. Geld hat viele unterschiedliche Seiten. Auf den ersten Blick und im normalen Alltagsgebrauch zuerst einmal eine angenehme: Es ist ein vielseitiges, universelles Ausgleichsmittel, mit dem man Waren und Dienstleistungen aller Art problemlos verrechnen kann. Es schafft die Möglichkeit, beinahe umfassend am gesamtgesellschaftlichen Produktions- und Dienstleistungswesen teilzunehmen, Leistungen anderer Menschen in Anspruch zu nehmen, die man selbst nicht erbringen könnte, und vieles mehr.

Wir können ins Theater, ins Konzert, in die Ausstellung gehen. Wir können verreisen, uns jegliche Transportmöglichkeit kaufen, Bücher und alle sonstigen Medien ins Haus holen.

Die Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken, Wohnen und Schlafen werden ebenfalls ganz selbstverständlich mit Geld beglichen.

Sogar das Haus oder die Wohnung müssen wir nicht mehr selbst bauen. Wir leihen uns einfach die Überschüsse anderer Wirtschaftsteilnehmer, lassen uns das Haus hinstellen und zahlen das erhaltene Geld nach und nach zurück; oder wir mieten eine bereits vorhandene Wohnung auf Zeit und sind dadurch sehr flexibel. So ließen sich die Argumente für die Vorzüge des Geldes noch ausgiebig weiterführen! Ohne Zweifel ist das Geld, derart betrachtet, eine feine und vorzügliche Sache!


Die Kluft zwischen Arm und Reich

Doch es gibt eine andere Seite des Geldes, und zwar eine äußerst unschöne: Die Verteilung des Geldes stimmt einfach nicht, die Kluft zwischen Arm und Reich hat schon heute unsagbare Dimensionen erreicht und erweitert sich von Tag zu Tag! Lassen wir ein paar Zahlen für sich sprechen: Teilt man im immer noch sehr wohlhabenden Deutschland die vorhandene Geldmenge (1) in zwei Hälften, so besitzen etwas mehr als drei Prozent der Bevölkerung die eine Hälfte des Geldes, die andere teilen sich die „restlichen“ knapp 97 Prozent. (2) Sind die Deutschen damit weltweit das „schwarze Schaf“ hinsichtlich der Verteilungsgerechtigkeit? Keineswegs, im Gegenteil! Wir stehen damit im internationalen Vergleich noch ausgesprochen gut da!

Weiten wir das ganze auf eine globale Betrachtungsweise aus, so werden die Unterschiede noch erheblich krasser. Der zurzeit reichste Erdenbürger, der Mexikaner Carlos Slim, der mit erfolgreichen Aktiengeschäften den langjährigen Spitzenreiter Bill Gates im Juli 2007 überrundete, besitzt aktuell ca. 68 Milliarden Dollar. (3) Damit liegt er als einzelne Person noch über dem Bruttosozialprodukt (BSP) der 47 (!) ärmsten Staaten dieser Erde mit Abermillionen Einwohnern! (4) Knapp 1.000 Menschen sind Dollar-Milliardäre und besitzen die unvorstellbare Summe von 3,5 Billionen Dollar (5), was dem 51fachen des eben erwähnten BSP der 47 ärmsten Staaten entspricht.

Wir zucken die Schultern angesichts solcher Zahlen, was ganz verständlich ist; denn kaum jemand kann sich annähernd etwas unter derart astronomischen Größenordnungen vorstellen. Hat jemand beispielsweise ein Monatseinkommen von 20.000 Euro, so sieht er sich nicht selten viel Neid und Rechtfertigungsdruck ausgesetzt. Verdient aber jemand zum Beispiel 20 oder 200 Millionen Euro im Monat, so wird ihm in der Regel eher Bewunderung entgegenschlagen, obschon er damit das 1.000- bzw. 10.000fache Einkommen erhält, das grundsätzlich weit überwiegend von anderen Menschen erarbeitet werden muss. Damit erhält er auch die entsprechenden Gestaltungs-, aber, was häufiger ist, auch Missbrauchsmöglichkeiten. Der Grund dieser Bewunderung ist einfach der, dass wir solche Zahlen nicht mehr nachvollziehen können. Trotzdem müssen wir uns nach Kräften um ein Verständnis dieser Größenordnungen bemühen, da diese Summen real vorhanden sind und nach und nach einer gerechteren Verteilung zugeführt werden müssen, wenn soziale Spannungen national wie weltweit sowie steigendes Elend nicht ausufern sollen. Dazu muss es schlicht und einfach ins Bewusstsein möglichst vieler Menschen kommen, die nicht mehr bereit sind, diese Missstände auf Dauer hinzunehmen, gemäß dem Ausspruch des amerikanischen Autobauers Henry Ford (1863-1947): „Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen!“

Stellen wir uns also einfach unter einer Milliarde Dollar das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen jedes Haushaltsangehörigen in deutschen Arbeiterhaushalten von insgesamt 680.000 Menschen vor. (6) Das entspricht etwas mehr als der Einwohnerzahl von Frankfurt/Main, oder annähernd von Graz, Linz, Salzburg und Klagenfurt zusammengenommen, oder der drei größten Städte der Schweiz: Zürich, Genf und Basel, ebenfalls addiert.

Gehen wir weiter: Ein Luxemburger durfte sich 2005 mit durchschnittlich gut 80.000 Dollar (die selbstverständlich ebenfalls nicht annähernd gleichmäßig verteilt sind) über ein 750 mal höheres Pro-Kopf-Einkommen freuen als ein Bewohner Burundis, der mit unglaublichen 107 Dollar (7) ein Jahr lang über die Runden kommen mußte – oder es eben auch nicht mehr schaffte! Da auch in Burundi das Einkommen nicht gleichmäßig verteilt ist, schönen die wenigen Reicheren die Statistik auch hier; das heißt konkret: die Mehrzahl der Burundier hat nicht einmal annähernd 8 Dollar pro Monat zum Leben!

Damit sind wir bei der Tatsache, dass die extrem ungleiche Verteilung des Geldes nicht nur unangenehme und ungerechte, sondern regelrecht skandalöse Formen angenommen hat. So sterben etwa 100.000 Menschen täglich den Hungertod, also zirka in jeder Sekunde ein Mensch! Alle 5 Sekunden verhungert ein Kind unter 10 Jahren!

Das liegt nun nicht etwa daran, dass keine Nahrung mehr für sie da wäre, sondern daran, dass sie sie schlicht und einfach nicht bezahlen können! (8)


Der Fluch des Geldes

So bringt schon allein die Verteilungsproblematik sehr viele Menschen dazu, vom „Fluch des Geldes“ zu sprechen. Verstärkt wird diese Einschätzung durch weitere Probleme des Geldwesens, zum Beispiel die regelrechte Versklavung von Millionen von Menschen, die in die Vermehrung ihrer Reichtümer den weitaus größten Teil ihrer Lebensenergie stecken und vielfach blind gegenüber den sozialen Notwendigkeiten ihrer Mitmenschen werden. Nicht umsonst sagte schon Jesus von Nazareth: „Eher geht ein Tau durch ein Nadelöhr, als ein Reicher ins Reich Gottes“ (9). Diesen innerlich Versklavten steht ein noch viel größeres Heer an äußerlich Versklavten gegenüber, die mangels Kapital abhängig wurden und ihr einziges wirtschaftliches Gut, ihre Arbeitsleistung, auf Grund von Verwerfungen im Geldwesen zu einem menschenunwürdigen Preis anbieten müssen!

Ein weiteres großes Problem steckt in der Struktur des Geldwesens: So kinderleicht es in der alltäglichen Handhabung ist, so kompliziert wird es in allen seinen Spielarten mit zahllosen Spezialbegriffen des Bankenwesens, des Aktienwesens und sonstigen Kapitalanlagemöglichkeiten. Immerhin hat die „Heuschrecken“-Problematik der Aktien-Fonds, allen voran manche berüchtigten Private-Equity-Gesellschaften und Hedge-Fonds, das Problembewußtsein größerer Gesellschaftsschichten geschärft, da es durch die Medien ging.

Gemeint ist damit die aktuelle Problematik, daß kapitalkräftige Fondsgesellschaften wie Heuschreckenschwärme über an sich gesunde Betriebe herfallen, sie regelrecht aussaugen und dann den dabei erzielten Profit, oft in Größenordnungen von weit über 20 Prozent pro Jahr, an ihre ohnehin reichen Kapitalanleger ausschütten, deren Missbrauchsmöglichkeiten damit weiter stärkend. Zurück bleiben destabilisierte Firmen, die Massenentlassungen vornehmen müssen oder in die Insolvenz gehen.

Trotzdem hält natürlich die Komplexität des Systems fast jeden durchschnittlichen Bürger davon ab, sich mit der Sachthematik des Geldwesens auseinanderzusetzen, obwohl es dringend nötig wäre. Deswegen soll es auch das Ziel dieser GralsWelt-Serie sein, durch den Wust der komplizierten Sachverhalte hindurch auf verständliche Art und Weise zum recht einfachen Kern der Gesamtproblematik durchzustoßen!

Einen weiteren Bereich im mangelnden Problembewusstsein der Allgemeinheit stellt unter anderem auch noch die ausufernde Staatsverschuldung dar. Wir nehmen sie meist achselzuckend hin als etwas, das mit uns eigentlich nichts zu tun hat. Doch die Einschätzung täuscht! Wir sind der Staat! Es sind unsere Schulden! Konkret hat Deutschland zur Zeit die unvorstellbare Schuldenlast von ca. 1,5 Billionen Euro, das sind 1.500.000 Millionen Euro! Jeder Deutsche, vom Säugling bis zum Greis, hat damit 18.200 Euro (10) Schulden, für die allein schon die Zinsen in Form von immer höheren Steuern und Abgaben wieder teilweise eingetrieben werden müssen. Teilweise nur, denn um große soziale Spannungen zu vermeiden, wird der Rest wieder „elegant“ über weitere Neuverschuldung geregelt. So steigt in Deutschland, je nach Konjunktur- und damit Steuereinkommenslage, die Neuverschuldung momentan wegen guter Konjunkturlage „nur“ um 540 EUR pro Sekunde! (11) Vor etwa eineinhalb Jahren lag der Wert noch bei unglaublichen 2.300 EUR! (12)

Wissenswert ist übrigens noch, dass unsere politischen Schönfärber unter einem „ausgeglichenen Haushalt“ verstehen, dass auf den Berg von Altschulden ausnahmsweise keine Neuschulden hinzukommen. Selbst dieses Ziel wird so gut wie nie erreicht! Wirklich schuldenfrei wären wir, zum Beispiel in Deutschland, bei einer realen Tilgung von einer Milliarde Euro pro Monat nach sage und schreibe 125 Jahren! Dass diese Tilgung dann noch einmal das drei- bis vierfache an Zinsen zusätzlich verschlingen würde, am Anfang sogar das 7,5-fache (13), sei hier nur am Rande erwähnt. An eine Tilgung ist deshalb zur Zeit überhaupt nicht zu denken, im Gegenteil, die Schulden wachsen!

In Österreich und der Schweiz ist die Pro-Kopf-Verschuldung fast identisch mit der deutschen. Das ist für die Schweiz eine ganz besondere Leistung, da es in diesem friedliebenden Land den Franken bereits seit 1852 gibt (14), eine funktionierende Wirtschaft noch länger, während die Deutschen die gleiche Verschuldung nach dem 2. Weltkrieg, seit 1948 mit Einführung der DM, aufgebaut haben.

In den USA sieht die Lage noch gravierender aus: Staatsverschuldung ca. 9 Billionen Dollar, Pro-Kopf-Verschuldung ca. 30.000 Dollar, tägliche Neuverschuldung 1,45 Milliarden Dollar (15), was in etwa auch den täglichen Rüstungsausgaben der USA entspricht! Das Problem wird dort noch durch den Umstand verschärft, dass das Aufnehmen privater Konsumentenkredite ausgesprochen weit verbreitet ist. So sind ungezählte Haushalte, zusätzlich zu den besagten Staatsschulden, noch weit höher in den roten Zahlen. Trotzdem gilt dieses höchstverschuldete Land der Erde immer noch als das reichste. -




Die Einkommensverteilung weltweit (16)



Glücklich durch Geld?

Wer chronischen Mangel an Geld hat, ist in der Regel nicht zu beneiden, denn viel Energie und Ausdauer muss aufgewendet werden, um neue Geldquellen auch nur für das Nötigste zu erschließen. In vielen Fällen ist, zusätzlich zur Arbeitsleistung, das Ganze von Bittstellungen oder Unterwerfungen denen gegenüber begleitet, die das Geld zu verteilen haben.

Doch auch wer reich ist, ist in aller Regel nicht glücklich! Viele Menschen versklaven sich, wie schon gesagt, regelrecht der Vermehrung des Geldes, weit über den tatsächlichen Bedarf hinaus! Sie vergleichen Zinsen, studieren das Auf und Ab der Börse, erproben ihren „Mut“ an lukrativen, aber riskanten Anlageformen usw. So erschöpft sich deren Lebenszeit letztlich mit abstrakten Zahlen, die ihnen aber spätestens beim Abscheiden nichts mehr nützen, da sich bekanntlich nicht ein einziger Cent ins Jenseits mitnehmen läßt. Was sie stattdessen aber voll mitnehmen, ist das Karma und die seelische Prägung, die sich durch einen Missbrauch des Geldes möglicherweise gebildet haben, zum Beispiel der Geiz, die Hartherzigkeit und die Habgier, auch die Schuld gegenüber den dadurch geschädigten Mitmenschen und, nicht zuletzt, die versäumte Gelegenheit, sich seelisch-geistig weiterzuentwickeln. Oder man genießt, als Individuum wie als Staat, die Macht, die mit dem Besitz des Geldes verbunden ist. Selbstverständlich ebenfalls mit der großen Gefahr, die ein Missbrauch dieser Macht mit sich bringen kann und leider auch zu oft tatsächlich mit sich bringt!

Oder aber man lebt von den Zinsen der Geldanlage, den Kursgewinnen oder der Dividende der Aktien, äußerlich betrachtet ganz fürstlich, stellt aber damit im Grunde jede sinnvolle Tätigkeit ein, was zwangsläufig zur seelischen Abstumpfung, oder aber im günstigeren Fall zu einer Sinnkrise führt, die nach einem Ausweg verlangt. Die Boulevardblätter und die „Regenbogenpresse“ sind voll von Beispielen, wie sich die Menschen der „High Society“ in Skandale verstricken, wie sie die trostlose innere Leere mit ausschweifenden Partys, häufigem Beziehungswechsel oder mit der Flucht in Drogen übertünchen wollen.

Will man den Begriff „Glück“ nicht ins Absurde führen, so wäre allein schon damit der Beweis erbracht, dass Geld nicht zwangsläufig glücklich macht!

Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele, Menschen, die ihren Reichtum wirklich verantwortungsbewusst und nützlich zum Wohle vieler anderer verwenden, doch diese sind leider krass in der Minderheit.

So ist es nicht erstaunlich, wenn viele besonnene Menschen vom „Fluch des Geldes“ sprechen und sich eine Abkehr von dieser unheimlichen Materie, diesem rätselvollen Machtmittel und Wertmesser wünschen!


Alternativen zum Geld

Betrachten wir daher, ob die menschliche Erfindung „Geld“ nun überhaupt notwendig ist, und ob sie eher als segensreich oder aber als verderbenbringend einzustufen ist, indem wir uns die Alternativen zum Geld anschauen: Das geht im Grunde auch ganz einfach, denn es gibt nur zwei: die Selbstversorgung und den Tausch „Ware gegen Ware“ oder „Arbeit gegen Arbeit“ – oder eine Kombination aus beidem.

Die Selbstversorgung ist die einfachste Methode, um den Umgang mit Geld zu vermeiden. Man kümmert sich selbst um die Befriedigung seiner Lebensbedürfnisse und die seiner Nächsten. Wasser gibt der nächstgelegene Brunnen, Lebensmittel der Garten, ein Häuschen und vielleicht ein Stall für die Tierhaltung sind mit Geschick auch noch herzustellen usw. Aber aus diesen wenigen Beispielen läßt sich die Fortführung leicht denken: Es wird schnell aufwendig und kompliziert, und an eine Papier- oder Fensterglasherstellung aus eigener Kraft, geschweige denn an einen Kühlschrank oder einen Fernseher ist auf diesem Wege nicht mehr zu denken. Es bewegt sich mit der ausschließlichen Selbstversorgung alles zwangsläufig auf einer technisch und kulturell niedrigen Stufe. Das Zusammenleben der Menschen mit ihren verschiedenen Fähigkeiten legt es denn auch nahe, wenigstens durch Tausch an einer umfangreicheren Waren- und Dienstleistungspalette teilnehmen zu können. Doch auch dort zeigen sich schnell die Grenzen, die sich, kurz gefasst, so darstellen lassen: Die Suche nach geeigneten Tauschpartnern, oft über Ringtausch, wäre stets aufwendig, die Einigung über Wert und damit Anzahl der jeweiligen Tauschgüter schwierig, die Überbrückung größerer Entfernungen mit den Waren wenig sinnvoll usw. Die Folge wäre ein großer Verlust an Zeit und ein riesiger Aufwand, der, besonders bei verderblichen Waren, nicht selten zum Totalausfall führen würde. Eine arbeitsteilige Gesellschaft auch nur annähernd unseres gewohnten Zuschnitts wäre auf Tauschbasis jedenfalls völlig ausgeschlossen.

Nun zum Geld! Es stellt demgegenüber ein ideales Tauschmittel dar, da es beliebig stückelbar ist und sich damit, in den Warenwerten angepasster Form, als „Wertetransportmittel“ eignet. Einzige Voraussetzung: es muss allgemein anerkannt sein und angenommen werden. Deshalb musste das Geld früher aus Edelmetall wie Gold und Silber bestehen oder mindestens durch eine entsprechende Menge dieses Goldes abgedeckt sein. Das war aber auf Dauer nicht mehr zu halten und letztlich auch nicht nötig. Heute reichen dafür schon bedrucktes Papier, die Banknoten, und Münzen auch aus Nichtedelmetall.

Wohl haben die heute im Kommen befindlichen Tauschringe durchaus ihre Vorteile, und auch gegen das Streben nach einer stärkeren Selbstversorgung ist überhaupt nichts einzuwenden. Doch bauen beide in der jetzt gewohnten Form nur auf einer Struktur auf, die in ihrer Vielfalt ohne die Möglichkeiten des Geldes niemals hätte entstehen können!

Aus diesem Grund gibt es das Geldwesen in allen höheren Kulturen schon seit Jahrtausenden.

So lässt sich die Frage nach dem Segen oder Fluch des Geldes recht einfach und auch eindeutig beantworten: Es ist eine gute und segensreiche Erfindung, da sie den Aufwand für die notwendigen Tauschprozesse zwischen den Menschen, seien es nun Waren oder Dienstleistungen, auf das geringstmögliche Maß reduziert, und diesen damit viel Zeit für andere Betätigungen oder Annehmlichkeiten lässt! Auch verhindert es das Verderben zahlreicher Lebensmittel, die sich auf dem Tauschwege nicht immer vermitteln lassen würden. Vor allem aber fördert es die wirtschaftliche und kulturelle Vielseitigkeit in der Gesellschaft, die auf anderen Wegen nicht entstehen könnte.


Die scheinbare Doppelnatur des Geldes

Trotzdem ist aber, wie schon geschildert, der „Fluch“ des Geldes auch unübersehbar geworden und wirft die Frage auf, ob das Geld an sich eine gegensätzliche Doppelnatur hat, also eine gute und eine üble Seite. Dass man also zwangsläufig mit dem Vorteil gleichzeitig den Nachteil, die dunkle Seite des Geldes, mit in Kauf nehmen muss? Bringt also die Verwendung von Geld unentrinnbar mit der Zeit die ganzen Phänomene mit sich, die wir in Vergangenheit und Gegenwart beobachten können: Verarmung der Schwachen, Ausbeutung der Natur und der Bodenschätze, Inflation und Überschuldung, „Überhitzung“ und schließlich Zusammenbruch der Wirtschafts- und ökologischen Kreisläufe und -systeme? Da diese unangenehmen Begleiterscheinungen des Geldgebrauchs sich im Kleinen wie im Großen, national und international, geschichtlich und aktuell immer wieder zeigten und zeigen, liegt es nahe, die sich regelmäßig wiederholenden Wirtschaftskatastrophen als unausweichlich anzusehen. Wir urteilen halt üblicherweise nach unseren Erfahrungen, in der Art: „Das war schon immer so, also muss man sich damit abfinden!“

Doch liegt nicht gerade in der Regelmäßigkeit dieser Krisen ein schwerwiegendes Indiz, dass etwas im System nicht stimmt? Dem ist tatsächlich so!

Dazu kommt noch, dass wir Menschen, als geistige Wesen, naturgesetzmäßig wie ein Brennglas wirken, das die es durchströmenden Kräfte konzentriert und damit verstärkt. So haben wir den Begriff der „Zeitströmungen“ und kennen auch den „Sog der Massen“. Am Geld haben wir aber zweifellos einen weit überdurchschnittlichen Gefallen gefunden; bietet es doch durch die beliebige Eintauschbarkeit gegen Waren und Arbeitsleistungen Macht, Einfluss, Wohlergehen und Bequemlichkeit. Doch diese extrem starke Beschäftigung von Millionen oder gar Milliarden Menschen mit dem Geld hat dieses durch den „Brennglaseffekt“ zu einer Macht und Bedeutung anwachsen lassen, die alles andere überragt. In der allgemeinen menschlichen Einstellung heißt es heute deswegen leider völlig richtig: „Geld regiert die Welt“, nicht etwa Menschlichkeit, Tugenden, oder natürlich, in letzter Instanz, der Schöpfer.


Wenn das System erkrankt


Entfaltet nun irgendein System eine überdimensionale Macht, so bekommen wir das Problem, dass der kleinste Fehler darin sehr weitreichende Folgen hat. Handelt es sich nun gar um einen großen Fehler, um eine naturgesetzmäßige Unmöglichkeit als Grundlage des Geldsystems, so sind größte Verheerungen programmiert und unvermeidbar. Und so eine naturwidrige Grundlage, ein regelrechtes Krebsgeschwür im an sich gesund-sein-könnenden Geldsystem existiert tatsächlich schon seit biblischen Zeiten bis heute: der Zins und Zinseszins!

Dieser abwertenden Einschätzung dürften allerdings die meisten Menschen erst einmal entschieden widersprechen, denn der Zins genießt allgemein einen ausgezeichneten Ruf! Ja, er wird meist sogar als ein großer Wohltäter angesehen; beschert er uns doch offensichtlich ein, wenn auch in vielen Fällen nur bescheidenes Zusatzeinkommen, für das nicht gearbeitet werden muss. Fast jeder betrachtet ihn daher freundlich und wohlwollend und ahnt nicht, daß gerade er, nur er, der größte Feind eines gesunden Wirtschaftssystems und sein sicherster Totengräber ist. Er bringt, bereits im Vorfeld mathematisch vorhersehbar, die Zusammenbrüche hervor, vor denen wir meist rätselnd stehen.

Und nicht nur wir, sondern selbst die meisten Finanzexperten bis hin zu den obersten Geldhütern und den Finanzministern haben die tatsächliche Ursache seltsamerweise offensichtlich nicht erkannt, denn sonst müsste wirkungsvoll gegengesteuert werden! Dementsprechend müssen auch die heutigen, immer verzweifelteren Gegenmaßnahmen, wie zum Beispiel eisernes Sparen, kräftige Steuererhöhungen und der Versuch, ein immer größeres Wirtschaftswachstum hervorzurufen, versagen, da sie am eigentlichen Problem vorbeigehen.

Wie und warum der Zins überhaupt erst entstanden ist, warum er anscheinend unverzichtbar ist und welche schwerwiegenden Folgen er mit sich bringt, wird im nächsten Teil dieser GralsWelt-Serie erläutert.

Anmerkungen:
1 Exakter müßte es, nach H. Creutz, „Geldvermögensmenge“ heißen, da die bei der Bank eingetragenen Beträge nur einen Anspruch auf Rückzahlung geliehenen Geldes darstellen.
2 Margrit Kennedy: „Geld ohne Zinsen und Inflation“, korrigiert um 1 Prozent auf den ungefähren aktuellen Stand
3 www.Spiegel.de, 3. Juli 2007
4 Anm.: Darunter befinden sich auch mehrere sehr kleine Staaten mit geringerer Armut, doch weit überwiegend die allerärmsten Staaten.
5 Süddeutsche Zeitung, 9.3.2007
6 Statistisches Bundesamt, 2002
7 Quelle: Wikipedia
8 www.oe1.orf.at: Ziegler: „Hungertod ist heute Mord!“
9 Hier liegt hinsichtlich des verbreiteten „Kamels“ wahrscheinlich ein Übersetzungsfehler vor. Von der Analogie her ist natürlich das (Schiffs-)Tau die sinnigere Fassung. Siehe auch: http://home.tele2.at
10 Quelle: Bund der Steuerzahler
11 Stand August 2007
12 Quelle: Bund der Steuerzahler
13 bei einem Zinssatz von 6%
14 Quelle: Wikipedia
15 http://www.brillig.com
16 „2014 Gini Index World Map, income inequality distribution by country per World Bank“ von M Tracy Hunter - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2014_Gini_Index_World_Map,_income_inequality_distribution_by_cou ntry_per_World_Bank.svg#/media/File:2014_Gini_Index_World_Map,_income_inequality_distribution_by_country_per_World_Bank.svg



weiter: Der Zins - das Krebsgeschwür im Geldwesen




 
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